Methodikinitiative Humanide GmbH · Mai 2026

HU-Codex – Methodikinitiative zur Klassifikation smarter Robotiksysteme

Methodische Klammer über zwei strukturgleiche Säulen: HU-RAC (Daten und Resilienz) und HU-RSC (physische Sicherheit). Ausdrücklich als Orientierungstool gedacht, nicht als Zertifizierung.

Eine gemeinsame Sprache für smarte Robotik

Smarte Robotiksysteme entstehen heute aus eng verflochtenen Schichten: Hardware, Steuerungssoftware, KI-Komponenten, Cloud-Backends, Update-Mechanik. Sie werden unter Regelwerken inverkehr gebracht, die nebeneinander wirken — DSGVO, Maschinenverordnung, KI-Verordnung, Cyber Resilience Act, Produkthaftung, Produktsicherheit, eine wachsende Reihe von ISO- und IEC-Normen.

HU-Codex ist kein weiterer Standard und keine Zertifizierung. HU-Codex ist ein Orientierungstool, das diese Regelwerke nicht ersetzt, sondern überlagert: ein einheitliches Tier-Modell, das Beschafferinnen, Dienstleistern und Inverkehrbringern hilft, ein Robotiksystem vor dem Kauf gemeinsam einzuordnen — und dabei auf die in den jeweiligen Regelwerken geforderten Bewertungen vorzubereiten, nicht sie zu umgehen.

HU-Codex bündelt zwei strukturgleiche Säulen unter einem Dach: HU-RAC für digitale Souveränität und Anbieter-Resilienz, HU-RSC für physische Sicherheit gegenüber Personen. Beide Säulen nutzen dieselbe Tier-Skala 1–5, dieselbe Sechs-Achsen-Logik und dasselbe Aggregationsprinzip — sie sind methodisch ineinander lesbar.

Was beide Säulen teilen

Tier 1 – 5

Eine Skala in beiden Säulen

HU-RAC und HU-RSC nutzen dieselbe fünfstufige Tier-Skala. Tier 1 bedeutet minimales Restrisiko in der jeweiligen Dimension, Tier 5 kritisches Restrisiko. Die Tier-Zahl ist nicht säulenübergreifend austauschbar — HU-RAC 4 und HU-RSC 4 bewerten unterschiedliche Gegenstände.

6 Achsen

Sechs Bewertungsachsen pro Säule

Jede Säule legt sechs Achsen an die Bewertung an — bei HU-RAC zugeschnitten auf Datenkategorien, Schlüsselhoheit, Mandantentrennung, jurisdiktionellen Zugriff; bei HU-RSC auf Einsatzumgebung, kinetisches Schadenspotenzial, Schadenstypen, Autonomiegrad, Sicherheitsarchitektur und exponierte Personen.

Aggregation

Prinzip der stärksten Belastung

Beide Säulen aggregieren über die Achsen nach derselben Regel: Die am stärksten belastete Achse setzt das Gesamt-Tier. Eine einzelne Achse mit Tier 4 hebt das Produkt auf Tier 4 — auch wenn alle anderen Achsen niedriger liegen.

Dynamik

Reklassifikation bei Veränderung

Beide Säulen sind dynamisch: Wesentliche Veränderungen am Produkt — andere Werkzeuge, anderes Einsatzfeld, neue KI-Komponente, neuer Subprozessor — lösen eine Neubewertung aus. Das ursprünglich abgenommene Tier verfällt nicht still.

HU-RAC und HU-RSC

Säule 1

HU-RAC

Humanide Robotics Assurance Class — Datensouveränität und Resilienz vernetzter Robotiksysteme. Überlagert DSGVO, KI-Verordnung, Maschinenverordnung und Cyber Resilience Act als domänenspezifisches Ordnungsraster. Aktuelles Impulspapier v0.3.1.

→ hurac.eu

Säule 2

HU-RSC

Humanide Robotics Safety Class — physische Sicherheit smarter Robotiksysteme. Sechs Achsen, fünf Tiers, Erwartungsmatrizen für Beschaffung und Procurement. Aktuelles Impulspapier v0.2.11.

→ hursc.eu

„Dieses Produkt erreicht HU-RAC X / HU-RSC Y"

Beide Säulen werden in der Außenkommunikation einheitlich genannt — als doppeltes Tier-Tupel. Ein Beispielsatz: „Dieser Mähroboter erreicht HU-RAC 3 / HU-RSC 3." Damit ist gesagt, dass das System in der Daten-/Resilienzdimension mittlere Anforderungen erfüllt und in der physischen Sicherheitsdimension ein erhöhtes, aber technisch beherrschbares Restrisiko hat.

Die Doppelnennung ist bewusst gewählt: Eine Tier-Zahl allein wäre missverständlich, weil die beiden Säulen unterschiedliche Bewertungsgegenstände abbilden. Ein Datensystem mit hoher digitaler Souveränität (HU-RAC 4) muss nicht physisch gefährlich sein; ein physisch unkritischer Tisch-Roboter (HU-RSC 1) sagt nichts über seine Cloud-Anbindung aus.

Eine Tier-Klassifikation darf gegenüber Lieferanten oder Endkunden nicht als Zertifizierung dargestellt werden. Sie ist eine Beschaffungs- und Vergleichsheuristik der Humanide GmbH; verbindliche Konformitätsbewertungen treffen weiterhin die zuständigen Stellen — Inverkehrbringer, benannte Stellen, Sachverständige, Aufsichtsbehörden.

Jurisdiktionelle Risiken symmetrisch behandeln

HU-Codex bewertet jurisdiktionelle Eingriffsrisiken symmetrisch. US-Recht und chinesisches Recht werden mit derselben Bewertungslogik geprüft — der CLOUD Act und der Connected Vehicle Security Act of 2026 auf US-Seite, das Cybersecurity Law sowie die Artikel 7, 28 und 35 des PIPL auf chinesischer Seite. Auch weitere Drittstaaten ohne Angemessenheitsbeschluss werden nach derselben Logik betrachtet.

Symmetrie heißt nicht Gleichsetzung, sondern: keine reflexhafte Bevorzugung des einen Rechtsraums gegenüber dem anderen, sondern faktenbasierte Prüfung des konkreten Zugriffsrisikos auf der jeweiligen Eigentümer- und Hosting-Kette.

Auch eigene Souveränitätslücken der Humanide GmbH oder europäischer Anbieter werden im HU-Codex-Material offen benannt — nicht kaschiert. Ein methodisches Orientierungstool, das nur Risiken bei „den anderen" sieht, wäre unbrauchbar.

Humanide GmbH

HU-Codex ist die Methodikinitiative der Humanide GmbH, Köln (HRB 115169). Mehr über das Unternehmen: humanide.com.

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Häufige Fragen

Warum braucht es HU-Codex zusätzlich zu bestehenden Normen und Gesetzen?

HU-Codex übersetzt komplexe technische, rechtliche und organisatorische Anforderungen in ein frühes, beschaffungsnahes Klassifikationsmodell. Es macht Robotiksysteme vor einer Detailprüfung vergleichbar, strukturiert Risikofragen früh und führt den Lieferantendialog gezielter. HU-Codex ersetzt weder Normen noch Recht — es ordnet sie zueinander.

Was ist HU-Codex?

HU-Codex ist eine Methodikinitiative der Humanide GmbH zur Klassifikation smarter Robotiksysteme. Sie bündelt zwei strukturparallele Säulen: HU-RAC bewertet Datensouveränität und Anbieter-Resilienz, HU-RSC die physische Sicherheit gegenüber Personen. Beide Säulen nutzen dieselbe fünfstufige Tier-Skala, dieselben sechs Bewertungsachsen und dasselbe Aggregationsprinzip.

Für welche Entscheidungen ist HU-Codex nützlich?

HU-Codex unterstützt Vorprüfung und Shortlist von Robotik-Anbietern, Ausschreibungs- und Lastenheft-Kriterien, Lieferantengespräche und Risikodokumentation. Es hilft zudem zu erkennen, wann vertiefte technische, rechtliche oder sicherheitsbezogene Prüfungen erforderlich werden — und welche.

Was ist der Unterschied zwischen HU-RAC und HU-RSC?

HU-RAC bewertet digitale Risiken: Datenkategorien, Schlüsselhoheit, jurisdiktioneller Zugriff, Cybersicherheit, Mandantentrennung und datenschutzrelevante Prüfpunkte. HU-RSC bewertet physische Risiken: Einsatzumgebung, kinetisches Schadenspotenzial, Schadenstypen, Autonomiegrad, Sicherheitsarchitektur und exponierte Personen. Beide arbeiten nominell unabhängig voneinander, sind aber asymmetrisch gekoppelt (siehe HU-RSC-FAQ zur Kopplungsregel).

Was bedeutet das Aggregationsprinzip „Prinzip der stärksten Belastung"?

Erreicht ein Robotiksystem in einer Achse Tier 4 und in den übrigen Achsen Tier 2, ist das Gesamt-Tier 4 — nicht der Durchschnitt. Die kritischste Belastungsdimension definiert das Gesamtniveau. So wird verhindert, dass ein hohes Restrisiko in einer einzelnen Achse durch günstige Werte in anderen Achsen verwässert wird.

Was bedeutet die externe Kommunikationsformel „HU-RAC X / HU-RSC Y"?

Beide Säulen werden in der Außenkommunikation einheitlich genannt — als doppeltes Tier-Tupel, zum Beispiel „Dieser Mähroboter erreicht HU-RAC 3 / HU-RSC 3". Die Doppelnennung ist bewusst gewählt: Eine einzelne Tier-Zahl wäre missverständlich, weil HU-RAC und HU-RSC unterschiedliche Bewertungsgegenstände abbilden. Ein Datensystem mit hoher digitaler Souveränität (HU-RAC 4) muss nicht physisch gefährlich sein; ein physisch unkritischer Tisch-Roboter (HU-RSC 1) sagt nichts über seine Cloud-Anbindung aus.

Wer kann HU-Codex anwenden? Wer sind die Adressaten?

HU-Codex richtet sich an die Humanide GmbH intern, an ihre Dienstleister, Lieferanten und Hersteller sowie an Procurement-Funktionen bei Einkäuferorganisationen. Es ist ein Orientierungstool für Beschaffung und Lieferantendialog, das ein einheitliches mentales Modell für sehr unterschiedliche Robotik-Anwendungen anbietet. Die Anwendung ist freiwillig.

Wie verhält sich HU-Codex zu EU-Recht und Normen?

HU-Codex ist kein Ersatz für EU-Recht oder harmonisierte Normen, sondern ein methodisches Orientierungsraster für Robotik-Beschaffung und Lieferantendialog. Es ordnet Risiken im Umfeld der Maschinenverordnung (EU) 2023/1230, der KI-Verordnung (EU) 2024/1689, des Cyber Resilience Acts (EU) 2024/2847, der GPSR, der Produkthaftungsrichtlinie 2024/2853 und einschlägiger ISO/IEC-Normen ein. HU-Codex ist darauf angelegt, mit harmonisierten Normen abgeglichen und bei Bedarf durch sie ersetzt oder ergänzt zu werden, sobald sie vorliegen.

Ist HU-Codex eine Zertifizierung?

Nein. HU-Codex ist ausdrücklich als Orientierungstool gedacht, nicht als Zertifizierungsschema. Eine HU-RAC- oder HU-RSC-Tier-Klassifikation ist weder eine wissenschaftliche Veröffentlichung noch ein juristisches Gutachten noch eine verbindliche Konformitätsbewertung. Sie ersetzt keine Risikobeurteilung nach ISO 12100 und keine Konformitätsbewertung im Sinne der Maschinenverordnung.